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Die Unis brennen wieder
Mittwoch, 20. Oktober 2010
Image Der Slogan „Uni brennt“ ist so ziemlich allen ÖstereicherInnen noch ein Begriff. Letztes Jahr fanden beinahe beispiellose Demonstrationen und Hörsaalbesetzungen im ganzen Land statt, StudentInnen versuchten auf die Bildungsmisere aufmerksam zu machen und so mehr Geldmittel von der Regierung zu erzwingen, grob gesagt. Und diesen Herbst, so scheint es, wird es wieder feurig, denn an der budgetären Situation an den Universitäten hat sich wenig geändert, und nichts zum Positiven.

 

Die Facts:
Die Bundesregierung hat beschlossen, dass das Unibudget von 2013-2015 bestenfalls nominell gleich bleiben wird – das bedeutet eine reale Kürzung um 10 % und für die JKU Linz bedeutet das 33 Millionen zu wenig in der nächsten Legislaturperiode. Bedenkt man, dass jetzt schon zu wenig Geld vorhanden ist und viele Hörsäle hoffnungslos überfüllt sind, LVA`s nicht abgehalten werden können und die Lehrenden mit ihren anvertrauten Pflichten überfordert sind … so kann man dies schlicht und einfach nicht hinnehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt dabei ist, dass die Studierendenzahlen an der Wachstumsuniversität rasant steigen (werden) und so selbst mit einem real gleich bleibenden Budget der Betrieb nur mit Mühe und Not aufrecht erhalten werden könnte. Das zB die Ersatzzahlungen für die gestrichenen Studiengebühren vom Bund an die Unis in diesem Zeitraum weitergeführt werden steht ebenfalls noch in den Sternen. Eine weitere Verschärfung ist, dass in Bayern und Baden Württemberg nächstes Jahr 2 Jahrgänge gleichzeitig maturieren (Kürzung der Gymnasiumsdauer von 9 auf 8 Jahre) und deswegen noch mehr deutsche Studierende nach Österreich kommen werden.

Die Auswirkungen:
Die (praktische) Kürzung des Budgets hat für die Universitäten und infolgedessen für den Staat Österreich katastrophale Auswirkungen. Durch die Einführung des Bologna Systems müssen ProfessorInnen 2 Arbeiten pro Studierenden betreuen, und das bei 240 Studierenden je ProfessorIn im Schnitt. Wenn man die Doktoratsarbeiten hier noch hinzu zählt kann man sich die Unmöglichkeit dieser Arbeitsaufgabe förmlich spüren. Bachelor und Master mögen in der Theorie gute Ansätze sein, doch mit dieser Umsetzung machen sie das Studieren in Mindeststudiendauer beinahe unmöglich, und das selbst beim größten Eifer – denn es ist einfach nicht möglich, adäquat viele Kurse anzubieten und die anstehenden Arbeiten zu betreuen.

Weiters ist gerade der Forschungsbetrieb von solchen Kürzungen betroffen. An einer Universität wird je nach Möglichkeit mehr oder weniger geforscht – und diese Forschungen sind für die Privatwirtschaft unter anderem ein Grund in die Unis zu investieren. Diese Beiträge machen einen erheblichen Beitrag der Unifinanzierung aus, wird jetzt jedoch die Forschungstätigkeit eingeschränkt vermindert sich für private Unternehmen die Motivation erheblich, in Unis zu investieren. Das ganze ist auch hier ein Teufelskreis.

Gründe und Auswege für/aus der Misere:
Die Bundesregierung, also SPÖ & ÖVP, versichert immer wieder, dass 2% des BIP für höhere Bildung verwendet werden sollte und muss. Doch leider geschieht dies schlicht und ergreifend nicht. Nur 1,3 % des BIP werden für Unis etc. pp. aufgewendet, im internationalen Vergleich ist das ein verdammt schlechter Schnitt – wie infolgedessen auch das Lehrende/Studierende Verhältnis oder jede sonstige Kennzahl, die die Qualität der Unis beschreibt. – Ein durchaus interessanter Vergleich ist das Budget der Harvard University mit ihren gut 20.000 Studierenden. Es beträgt mehr als das gesamte Budget aller 22 österreichischen Unis mit insgesamt knapp 300.000 StudentInnen.

Getan gehört folgendes: die versprochenen 2 % des BIPs für Bildung MÜSSEN umgesetzt werden und eine weitere Milliarde muss sofort für Bildung bereitgestellt werden! Vor allem aber muss das Bewusstsein für Bildung verändert werden – Bildung ist gerade für eine Industrienation eine absolute Voraussetzung für Wohlstand. Bildung rentiert sich auf jede nur erdenkliche Weise – finanziell, kulturell und gesellschaftlich. Dies ist in unzähligen Studien belegt und muss auch dementsprechend beachtet werden. Es kann nicht sein, dass aufgrund der relativ schwachen Lobby dieser Bereich als erster fürs Sparen hergenommen wird, währenddessen Banken etc. das Geld in den A*sch geschoben bekommen.

 Von Michael Geissler

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